Was ist Franchising? Definition, Beispiele sowie Vor- und Nachteile
Letzte Aktualisierung: 01.09.2026
Wer ein Unternehmen gründen möchte, ohne jede Geschäftsidee, Marke und jeden Prozess selbst entwickeln zu müssen, gehört zur Zielgruppe des Franchisings. Bei diesem Geschäftsmodell ermöglicht es ein Unternehmen anderen selbstständigen Unternehmern, unter seiner Marke zu arbeiten und sich nach seinem erprobten Geschäftskonzept zu orientieren.
Das Franchising stellt damit eine Alternative zu anderen Modellen der Existenzgründung dar, bei denen eine vollständige Unabhängigkeit angestrebt wird. Der Franchisenehmer profitiert vom Zugang zu einer etablierten Marke und kann auf standardisierte Abläufe zurückgreifen. Häufig erhält er vom Franchisegeber umfangreiche Unterstützung. Der Franchisenehmer trägt dabei aber weiterhin das wirtschaftliche Risiko des Betriebs.
Franchising ist vor allem für Gründer interessant, die sich selbstständig machen möchten, dabei aber nicht bei null anfangen wollen. Besonders attraktiv ist das Modell für Personen, die von klaren Prozessen sowie Schulungs- und Unterstützungsangeboten profitieren möchten. Geeignet ist Franchising daher häufig für Unternehmer, die bereit sind, Verantwortung für einen eigenen Betrieb zu übernehmen, gleichzeitig aber innerhalb eines vorgegebenen Systems arbeiten möchten.
INHALTSVERZEICHNIS
- Was ist Franchising: Franchising einfach erklärt
- Wie funktioniert Franchising?
- Die wichtigsten Bestandteile eines Franchisevertrags
- Arten von Franchising
- So starten Sie ein Franchise-Unternehmen
- Franchising-Beispiele
- Vorteile des Franchisings: Die wichtigsten Chancen
- Nachteile des Franchisings: Die wichtigsten Risiken
- Kosten einer Franchise-Gründung
- Welche Faktoren beeinflussen den Erfolg eines Franchisebetriebs?
- Franchising in Deutschland
- Wie Unternehmen Franchisebetriebe effizient führen
Was ist Franchising: Franchising einfach erklärt
Franchising bedeutet, dass ein Unternehmen (Franchisegeber) sein erfolgreiches Geschäftskonzept anderen Unternehmern (Franchisenehmer) zur Verfügung stellt. Der Franchisenehmer kann das Konzept dann an eigenen Standorten nutzen und zahlt dafür eine Gebühr.
Die Aufgabe des Franchisegebers besteht darin, Marke, Produkte oder Dienstleistungen, Know-how, Marketingkonzepte und standardisierte Geschäftsprozesse zur Verfügung zu stellen. Der Franchisenehmer wiederum nutzt diese Ressourcen, um damit ein lokales Geschäft aufzubauen und zu betreiben. Dafür investiert er auch eigenes Kapital.
Es gehört zu den wesentlichen Merkmalen des Modells, dass der Franchisenehmer rechtlich und wirtschaftlich selbstständig bleibt. Es handelt sich beim Franchisenehmer nicht um einen Angestellten und er ist auch keine Filiale des Franchisegebers. Er ist jedoch an die Standards gebunden, die vom jeweiligen System vorgegeben werden.
Der Deutsche Franchiseverband hat eine eigene Definition für das Franchising vorgelegt und spricht von einer Verbindung zwischen einem etablierten Unternehmen und eigenständigen Unternehmern. Der Franchisegeber stellt dabei gegen Gebühr ein bereits erprobtes Geschäftskonzept bereit.
Zu den entscheidenden Merkmalen eines Franchisesystems gehört auch die Standardisierung. Die Kunden sollen vergleichbare Produkte, Qualität und Serviceleistungen erhalten unabhängig davon, wer als Franchisenehmer für das Restaurant, das Geschäft oder den Dienstleistungsbetrieb usw. verantwortlich ist. Wesentlich ist hier die Verbindung von starker Markenpräsenz mit lokaler Marktnähe.
Wie funktioniert Franchising?
Beim Franchising stellt der Franchisegeber dem Franchisenehmer sein Geschäftskonzept zur Verfügung und räumt ihm für einen festgelegten Zeitraum das Recht ein, dieses zu nutzen.
Das Geschäftskonzept kann dabei unter anderem die folgenden typischen Bestandteile umfassen:
- Markenrechte
- Arbeitsabläufe
- Produktkonzepte
- IT-Systeme
- Schulungen
- Marketingmaterialien
- Lieferantenbeziehungen
Der Franchisenehmer investiert bei diesem Modell in seinen eigenen Betrieb, er stellt gegebenenfalls Mitarbeiter ein und führt das Tagesgeschäft. Hier unterscheidet sich das Franchising also nicht grundsätzlich von einer Selbstständigkeit mit vollständiger Unabhängigkeit. Der Franchisenehmer verpflichtet sich aber gleichzeitig dazu, zentrale Standards des Systems einzuhalten.
Als Gegenleistung für die Nutzung des Konzepts des Franchisegebers zahlt der Franchisenehmer häufig eine einmalige Eintrittsgebühr sowie wiederkehrende Franchise- oder Lizenzgebühren.
Damit handelt es sich bei dieser Art der Zusammenarbeit um ein kooperatives Vertriebssystem: Der Franchisegeber entwickelt das Gesamtsystem weiter, während die Franchisepartner das Konzept an ihren jeweiligen Standorten umsetzen.
Der wirtschaftliche Erfolg ist jedoch auch bei einem erprobten Geschäftsmodell nicht garantiert. Umsatz und Rentabilität hängen unter anderem vom Standort, der lokalen Nachfrage, den Kosten und der Qualität der Unternehmensführung ab. Der Franchisenehmer setzt sich also weiterhin einem wirtschaftlichen Risiko aus.
Die wichtigsten Bestandteile eines Franchisevertrags
Der Franchisevertrag bildet die rechtliche Grundlage der Zusammenarbeit zwischen Franchisegeber und Franchisenehmer. In der Regel sind hier langfristige wirtschaftliche Verpflichtungen enthalten, weshalb eine gründliche Prüfung unbedingt ratsam ist. Gegebenenfalls sollte hierzu fachkundiger rechtlicher Rat eingeholt werden.
Das sind einige der typischen Vertragsbestandteile:
- Rechte und Pflichten: Im Vertrag ist festgelegt, welche Leistungen der Franchisegeber bereitstellt und welche Vorgaben der Franchisenehmer erfüllen muss.
- Franchise- und Lizenzgebühren: Neben der Eintrittsgebühr können laufende Gebühren sowie eine zusätzliche Werbegebühr vereinbart werden.
- Regeln zur Markennutzung: Die Vereinbarung bestimmt, wie Name, Logo, Corporate Design und andere Markenbestandteile verwendet werden dürfen.
- Betriebliche Vorgaben: Diese können beispielsweise Sortiment, Ausstattung, Bezugsquellen, Qualitätsstandards, Öffnungszeiten, IT-Systeme oder Marketingaktivitäten betreffen.
- Vertragsgebiet: Von besonderer Bedeutung kann sein, ob dem Franchisenehmer für eine bestimmte Region ein exklusives Vertragsgebiet eingeräumt wird. Dabei ist zu beachten, dass ein solcher Gebietsschutz rechtlich begrenzt ist: Bestimmte aktive Verkäufe in das Gebiet können eingeschränkt werden, passive Verkäufe grundsätzlich jedoch nicht.
- Vertragsdauer und Beendigung: Kündigungsfristen, Verlängerungsmöglichkeiten und Folgen der Vertragsbeendigung sollten vorab eindeutig geklärt sein.
In Deutschland gibt es weder ein eigenes Franchisegesetz noch einen allgemeingültigen Mustervertrag für sämtliche Systeme. Franchiseverträgen ist es hingegen eigen, Elemente verschiedener Vertragstypen in sich zu vereinen. Die Vertragsgestaltung sollte dabei auf das jeweilige System zugeschnitten sein.
Arten von Franchising
In der Praxis kann Franchising sehr unterschiedlich ausgestaltet sein. Typisch ist dabei eine Differenzierung in Produkt-, Herstellungs- und Business-Format-Franchising.
Produkt-Franchising
Beim Produkt-Franchising erhält der Franchisenehmer das Recht, bestimmte Produkte des Franchisegebers unter dessen Marke oder Markennamen zu vertreiben. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem der Verkauf der Produkte. Das gesamte Geschäftskonzept ist gleichzeitig meist weniger stark standardisiert, als dies beim Business-Format-Franchising der Fall ist.
Bei diesem Modell stellt der Franchisegeber in der Regel die Produkte, die Marke sowie bestimmte Vorgaben für Präsentation und Vertrieb bereit. Der Franchisenehmer übernimmt dann den Verkauf im eigenen Betrieb. Dabei profitiert er vor allem von der Bekanntheit und Marktposition der Marke.
Zu den typischen Beispielen gehören der Handel mit Fahrzeugen, Getränken oder anderen Markenprodukten. Abhängig vom Franchisesystem können zusätzliche Vorgaben bestehen. Diese können sich auf das Sortiment, die Verkaufsflächen, die Werbung oder den Kundenservice beziehen.
Herstellungs-Franchising
Das Herstellungs-Franchising zeichnet sich dadurch aus, dass der Franchisenehmer das zusätzliche Recht erhält, Produkte nach Vorgaben des Franchisegebers herzustellen und anschließend unter dessen Marke zu vertreiben. Der Franchisegeber kann dafür beispielsweise Rezepturen, Produktionsverfahren oder auch Qualitätsstandards vorgeben.
Der Franchisenehmer übernimmt die Produktion vor Ort, muss dabei jedoch die festgelegten Standards einhalten. Auf diese Weise kann der Franchisegeber seine Produkte in unterschiedlichen Regionen herstellen lassen und gleichzeitig sicherstellen, dass Qualität und Markenauftritt möglichst einheitlich bleiben.
Business-Format-Franchising
Heute gehört das Business-Format-Franchising zu den umfassendsten und am weitesten verbreiteten Formen des Franchisings. Der Franchisenehmer übernimmt dabei nicht nur Produkte und Marke, sondern ein weitgehend standardisiertes Geschäftsmodell.
Das bedeutet in der Praxis, dass häufig Ladengestaltung, Marketing, IT-Systeme, Schulungen, Einkauf, Qualitätsmanagement und operative Prozesse vorgegeben und vom Franchisenehmer entsprechend umgesetzt werden. Der Vorteil des Modells liegt in der besonders einheitlichen Kundenerfahrung, die sich damit erzielen lässt. Die unternehmerische Freiheit des Franchisenehmers ist aber stark eingeschränkt.
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So starten Sie ein Franchise-Unternehmen
Wer Franchisenehmer werden und dabei erfolgreich sein möchte, verbindet Geschäftskonzept, Finanzierung und persönliche Fähigkeiten auf optimale Weise. Damit keine teuren Fehlentscheidungen entstehen, ist ein strukturiertes Vorgehen wichtig.
Schritt 1: Branche und Franchise-Konzept auswählen
In einem ersten Schritt sollte überlegt werden, welche Branche zu den eigenen Erfahrungen, Fähigkeiten und Interessen passt. Zu den typischen Auswahlmöglichkeiten gehören zum Beispiel Gastronomie, Einzelhandel, Fitness, Bildung, Immobilien, Handwerk oder persönliche Dienstleistungen. Hier stellen sich jeweils sehr unterschiedliche Anforderungen.
Zudem sollte die Frage beantwortet werden, welche Rolle der Franchisenehmer künftig übernehmen möchte. Bei einem Gastronomie-Franchise etwa können eine intensive Personalführung und operative Präsenz notwendig sein. Bei anderen Modellen stehen eventuell der Vertrieb und die Kundenakquise stärker im Vordergrund.
Schritt 2: Franchise-Angebote in Deutschland recherchieren
Nachdem die Auswahl für eine Branche und ein Franchise-Konzept getroffen wurde, kann die Suche nach einem geeigneten Franchisepartner beginnen. Dazu sollten möglichst viele verschiedene Systeme verglichen werden. Neben einem Franchiseportal kommen hierfür beispielsweise Branchenveranstaltungen und die Systemsuche des Deutschen Franchiseverbands infrage.
Neben der Markenbekanntheit und dem Umsatzversprechen sind weitere wichtige Punkte zu prüfen. Interessant ist auch, wie sich bereits bestehende Franchise-Standorte wirtschaftlich und operativ entwickeln und wie es mit der Fluktuation unter Franchisepartnern aussieht. Auch die erforderlichen Gesamtinvestitionen und die Unterstützung durch die Systemzentrale sollten geprüft werden.
Besonders aufschlussreich sind häufig Gespräche mit bestehenden und ehemaligen Franchisenehmern. Sie können zusätzliche Einblicke in den Geschäftsalltag geben.
Schritt 3: Franchisevertrag sorgfältig prüfen
Bevor der Franchisevertrag unterschrieben wird, sollte noch einmal eine sorgfältige Prüfung der wichtigen Klauseln erfolgen. Zu beachten sind hier insbesondere Laufzeit, Kündigung, Gebietsschutz, Lieferantenbindung, Gebühren und mögliche Wettbewerbsverbote. Für Wettbewerbsverbote gelten rechtliche Grenzen. Während bestimmte Beschränkungen während der Vertragslaufzeit zum Schutz des Franchisesystems zulässig sein können, sind nachvertragliche Wettbewerbsverbote nur unter engen Voraussetzungen möglich.
Ebenso wichtig sind die wirtschaftlichen Informationen vor Vertragsabschluss. Franchisegeber treffen bestimmte vorvertragliche Aufklärungspflichten und dürfen Interessenten insbesondere keine falschen oder irreführenden Angaben zur wirtschaftlichen Situation des Systems machen.
Wichtig ist es, den Vertrag vollständig zu lesen, da problematische Regelungen auch in Details des Vertrags versteckt sein können. Wer hier Risiken reduzieren möchte, sollte einen auf Franchising spezialisierten Rechtsanwalt hinzuziehen oder auf eine qualifizierte Beratung für Franchiseunternehmen zurückgreifen. Das kann dabei helfen, wirtschaftlich bedeutsame Vertragsklauseln zu identifizieren.
Schritt 4: Finanzierung und Budget planen
Vor dem Vertragsabschluss sollte der gesamte Kapitalbedarf möglichst realistisch geplant werden. Neben der Eintrittsgebühr können unter anderem Kosten für Standort, Ausstattung, Warenbestand, Personal und Marketing anfallen. Außerdem ist ausreichend Liquidität für die Anlaufphase einzuplanen, in der die Einnahmen häufig noch niedriger ausfallen.
Anschließend ist zu prüfen, wie viel Eigenkapital zur Verfügung steht und welcher Finanzierungsbedarf verbleibt. Neben Bankkrediten kommen öffentliche Förderprogramme infrage. Die KfW führt Franchising ausdrücklich als förderfähige Form der Existenzgründung auf.
Es ist in jedem Fall sinnvoll, mehrere Umsatz- und Kostenszenarien durchzurechnen. So lässt sich besser einschätzen, ob die Finanzierung auch bei einem schwächeren Start tragfähig bleibt.
Schritt 5: Schulungen und Unterstützung des Franchisegebers nutzen
Zu professionellen Systemen gehört es normalerweise, dass neue Partner auf den Geschäftsbetrieb gründlich vorbereitet werden. Die Schulungen im Franchise können Produkte, Verkauf, Personalführung, Warenwirtschaft, Marketing oder kaufmännische Prozesse abdecken.
Der angehende Franchisenehmer sollte sich bereits vor Vertragsabschluss darüber informieren, welche Unterstützung tatsächlich enthalten ist. Neben der Erstausbildung sind auch laufende Weiterbildungen, eine Standortberatung oder die Marketingunterstützung interessant. Hilfreich ist weiterhin ein regelmäßiger Austausch mit der Systemzentrale.
Schritt 6: Franchise-Standort eröffnen und führen
Im letzten Schritt erfolgt der Start als Franchisenehmer und die Aufnahme des Betriebs. Nachdem Finanzierung, Standortwahl, Vertragsabschluss und Schulung abgeschlossen sind, kann der operative Aufbau beginnen. Dazu ist es erforderlich, Räumlichkeiten einzurichten, Mitarbeiter einzustellen und Waren zu bestellen. Zudem müssen die lokalen Marketingmaßnahmen vorbereitet werden.
Die Unterstützung durch den Franchisegeber endet mit der Eröffnung aber noch nicht. Viele Systeme sind darauf ausgelegt, Prozesse, Produkte und Marketing kontinuierlich weiterzuentwickeln. Der Franchisenehmer wiederum muss sicherstellen, dass er die vorgegebenen Qualitätsstandards im täglichen Betrieb einhält.
Franchising-Beispiele
Während das Franchising früher vor allem in der Gastronomie anzutreffen war, gehört es heute in sehr viel mehr Branchen zum Alltag. Die folgenden drei Franchising-Beispiele veranschaulichen, wie unterschiedlich entsprechende Geschäftsmodelle aufgebaut sein können.
BackWerk: Backgastronomie
Ein konkretes Beispiel aus Deutschland ist BackWerk. Das Unternehmen arbeitet mit einem sogenannten „Franchise Light”-Modell: BackWerk übernimmt unter anderem die Investition in den Standort sowie das Mietvertragsrisiko, während sich der Franchisepartner auf den operativen Betrieb konzentriert.
Für den Einstieg nennt das Unternehmen aktuell ein erforderliches Eigenkapital ab 25.000 Euro, eine Lizenzgebühr von 3.600 Euro sowie eine laufende Franchisegebühr von 5,5 Prozent des Nettoumsatzes. Eine zusätzliche Werbegebühr fällt nach Unternehmensangaben nicht an (Stand: August 2026).
Fressnapf: Einzelhandel
Ein weiteres Beispiel aus dem deutschen Einzelhandel ist Fressnapf. Rund 780 Märkte in Deutschland werden von etwa 125 Franchisepartnern geführt (Stand: August 2026).
Der Franchisegeber unterstützt sie unter anderem durch zentralen Einkauf, Marketingkonzepte und Qualitätssicherung.
Schülerhilfe: Dienstleistungen
Auch Dienstleistungen eignen sich für das Franchising-Modell. Bei der Schülerhilfe können Franchisepartner eigene Nachhilfe-Standorte betreiben.
Das System stellt unter anderem ein bestehendes Geschäftskonzept, Schulungen und Unterstützung beim Aufbau des Unternehmens bereit.
Vorteile des Franchisings: Die wichtigsten Chancen
Der wesentliche Vorteil des Franchisings liegt darin, dass Gründer nicht bei null beginnen müssen, sondern auf bestehenden Geschäftskonzepten aufbauen können.
Das sind weitere Vorzüge des Modells:
- Erprobtes Geschäftsmodell: Statt eine neue Geschäftsidee vollständig entwickeln und aufwendig am Markt testen zu müssen, greifen Franchisenehmer auf ein bereits bestehendes Konzept zurück. Prozesse, Produkte und Vertriebswege wurden an anderen Standorten bereits erprobt und haben sich im Idealfall bewährt.
- Etablierte Markenbekanntheit: Eine bekannte Marke kann die Kundengewinnung erleichtern. Neue Betriebe profitieren von vorhandener Markenpräsenz und müssen Vertrauen nicht vollständig selbst aufbauen.
- Unterstützung: Franchisegeber bieten häufig eine umfangreiche Unterstützung in Form von Start- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie operativer Beratung an. Das ist gerade für Gründer ohne langjährige Branchenerfahrung wertvoll.
- Gemeinsames Marketing: Überregionale Marketingaktivitäten werden häufig zentral organisiert. Dadurch können einzelne Betriebe von professionellen und großangelegten Kampagnen profitieren, die ein unabhängiges kleines Unternehmen sonst kaum realisieren könnte.
- Einkaufs- und Lieferantensysteme: Franchisesysteme können Rahmenvereinbarungen mit zugelassenen Lieferanten treffen und Prozesse zentral organisieren. Dabei ergeben sich teilweise erhebliche wirtschaftliche Vorteile durch größere Einkaufsvolumen.
Franchising bietet damit die Möglichkeit, unternehmerische Selbstständigkeit mit einer bestehenden Infrastruktur zu verknüpfen.
Nachteile des Franchisings: Die wichtigsten Risiken
Wer das Modell Franchising mit seinen verschiedenen Vorteilen nutzen möchte, sollte die Nachteile nicht aus dem Blick verlieren.
Vor Vertragsabschluss gilt es, eine Reihe von Punkten zu berücksichtigen, die sich auf das Gründungsvorhaben negativ auswirken könnten:
- Hohe Anfangsinvestitionen: Neben der Eintrittsgebühr können weitere Investitionen für Einrichtung, Warenbestand, Immobilien, Fahrzeuge, Technik oder Umbauten erforderlich sein.
- Laufende Gebühren: Typisch ist die Erhebung einer regelmäßigen Lizenzgebühr durch den Franchisegeber. Diese kann beispielsweise vom Umsatz abhängen. Hinzu kommen je nach System Marketing-, IT- oder andere Systemgebühren. Diese Belastungen müssen von der operativen Marge abgezogen werden.
- Begrenzte Entscheidungsfreiheit: Franchisenehmer sind selbstständig, können ihr Unternehmen aber nicht völlig frei gestalten. Sortiment, Marketing, Lieferanten oder Ausstattung können durch das System vorgegeben werden. Bei Verkaufspreisen bestehen dagegen wettbewerbsrechtliche Grenzen: Franchisegeber können beispielsweise unverbindliche Preisempfehlungen aussprechen oder Höchstpreise festlegen, sie dürfen grundsätzlich aber keine verbindlichen Mindest- oder Festpreise vorschreiben.
- Abhängigkeit vom Franchisegeber: Strategische Fehlentscheidungen auf Ebene der Marke können auch auf lokale Betriebe Auswirkungen haben. Reputationsprobleme eines einzelnen Partners können ebenfalls auf das gesamte System abstrahlen.
- Langfristige Vertragsbindung: Franchiseverträge laufen häufig über viele Jahre. Das erschwert einen vorzeitigen Ausstieg und kann auch mit finanziellen Konsequenzen verbunden sein.
Bei der Betrachtung der Nachteile ist also immer auf das konkrete System abzuzielen, weil sich hier je nach Konzept Unterschiede ergeben können.
Kosten einer Franchise-Gründung
Wie viel eine Franchise-Gründung kostet, hängt immer vom betrachteten Einzelfall ab. Pauschalaussagen lassen sich hier nur schwer treffen. So können zum Beispiel Beratungs- oder Dienstleistungsmodelle bereits mit vergleichsweise wenig Kapital starten. Ein Gastronomiebetrieb oder ein großflächiger Einzelhandel kann hingegen deutlich größere Investitionen erfordern.
Das sind einige der typischen Kosten, die mit einer Franchise-Gründung verbunden sind:
- Eintrittsgebühr: Für den Zugang zum System, zur Marke und zum vorhandenen Know-how ist eine einmalige Zahlung erforderlich.
- Standort- und Einrichtungskosten: Hierzu gehört Aufwand beispielsweise für Mietkaution, Umbau, Möblierung, Technik und Beschilderung.
- Waren und Betriebsmittel: Diese Kosten fallen insbesondere bei Handels- und Gastronomiekonzepten an.
- Laufende Franchise- oder Lizenzgebühr: Diese wird häufig als Prozentsatz des Umsatzes oder als fester Betrag berechnet.
- Werbegebühr: Diese Kosten entstehen durch die Finanzierung überregionaler Marketingmaßnahmen.
- Personal- und Betriebskosten: Hierzu gehören Löhne, Miete, Energie, Versicherungen und lokale Werbung.
- Liquiditätsreserve: Es wird Kapital für die Anlaufphase benötigt, bevor der Standort kostendeckend arbeitet.
Gründer sollten die Gesamtinvestitionen und den Kapitalbedarf bis zum realistischen Break-even betrachten. Zudem sollten verschiedene Umsatzszenarien berechnet und die Auswirkungen eines Umsatzniveaus untersucht werden, das die ursprüngliche Planung zum Beispiel um 10 oder 20 Prozent verfehlt.
Welche Faktoren beeinflussen den Erfolg eines Franchisebetriebs?
Selbst das stärkste Franchisesystem kann dem Unternehmer nicht jede Entscheidung abnehmen. Es sind vor allem die folgenden vier Faktoren, die in der betrieblichen Praxis einen großen Einfluss auf die wirtschaftlichen Aussichten ausüben.
- Standort: Hierunter fallen die Kundenfrequenz, das Einzugsgebiet, die Miete, die Erreichbarkeit und der lokale Wettbewerb. Alle diese Faktoren können über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
- Stärke der Marke: Eine etablierte Marke erleichtert den Markteintritt. Neben der Bekanntheit ist aber auch wichtig, ob Produkte und Positionierung im jeweiligen lokalen Markt überhaupt auf eine entsprechende Nachfrage treffen.
- Operative Umsetzung: Personalführung, Kundenservice, Kostenkontrolle und eine konsequente Umsetzung der Standards bleiben Aufgabe des lokalen Unternehmers.
- Lokale Nachfrage: Ein Konzept kann in der Großstadt hervorragend funktionieren und gleichzeitig in der Kleinstadt versagen. Es ist daher eine gründliche Standortanalyse erforderlich, die Faktoren wie die Kaufkraft, die Zielgruppe, den Wettbewerb und die regionalen Besonderheiten berücksichtigt.
Gründungsinteressenten sollten also die Frage beantworten können, ob das gewünschte Franchise unter den Bedingungen des geplanten Standorts wirtschaftlich tragfähig sein kann.
Franchising in Deutschland
Der Deutsche Franchiseverband nennt aktuell rund 1.000 aktive Franchisesysteme, rund 150.000 Franchiseunternehmer, etwa 900.000 Beschäftigte und einen Gesamtumsatz von ungefähr 150 Milliarden Euro (Stand: August 2026) und unterstreicht damit die Bedeutung des Franchisings in Deutschland.
Von der Gastronomie und dem Einzelhandel über das Handwerk bis hin zu Immobilien, Fitness und Bildung ist das Wirtschaftsmodell in vielen Branchen anzutreffen.
In Deutschland vertritt dabei der Deutsche Franchiseverband die Interessen der Branche. So bietet er unter anderem eine Systemsuche sowie Beratungsangebote an. Mitgliedsunternehmen verpflichten sich zudem zur Einhaltung des Ethikkodex des Verbands.
Ein spezielles Franchisegesetz existiert in Deutschland hingegen nicht. Stattdessen können auf eine Franchisebeziehung unterschiedliche Rechtsgebiete Anwendung finden, beispielsweise Vertrags-, Marken- und Wettbewerbsrecht. Das Markenrecht ermöglicht beispielsweise ausdrücklich die Lizenzierung einer Marke für ganz Deutschland oder bestimmte Gebiete.
Wie Unternehmen Franchisebetriebe effizient führen
Ein gut funktionierendes Franchisesystem schafft es, möglichst viele wiederkehrende Prozesse zu standardisieren. Das gilt für Produkte und Marketing sowie Einkauf, Warenwirtschaft, Reporting und Zahlungsabwicklung.
Wer zum Beispiel Umsätze vergleichbar auswerten, Prozesse kontrollieren und unterschiedliche Vertriebsstellen im Franchise effizient führen möchte, sollte auf einheitliche digitale Systeme zurückgreifen können. Besonders wichtig ist dabei eine zuverlässige Payment-Infrastruktur. Denn Kunden erwarten heute je nach Branche Kartenzahlungen, kontaktlose Zahlungsverfahren und teilweise zusätzliche digitale Bezahlmöglichkeiten. Gleichzeitig benötigt der Unternehmer einen transparenten Überblick über Transaktionen und Zahlungseingänge.
Lösungen wie myPOS können hier mehrere Funktionen erfüllen. Unternehmen können beispielsweise Kartenzahlungen vor Ort akzeptieren und Zahlungseingänge über das zugehörige Geschäftskonto verwalten. Für Franchisebetriebe mit mehreren Verkaufspunkten kann eine standardisierte Zahlungsinfrastruktur außerdem dazu beitragen, Abläufe zwischen verschiedenen Standorten zu vereinheitlichen.
Wer Zahlungen vor Ort akzeptieren möchte, kann dafür beispielsweise girocard-fähige Kartenterminals von myPOS einsetzen. Zahlungsdienstleister, Kassensysteme und andere technische Lösungen müssen jedoch mit den Vorgaben des jeweiligen Franchisesystems kompatibel sein. Vor der Anschaffung sollten Franchisenehmer daher klären, ob im Franchisevertrag bestimmte Anbieter oder technische Schnittstellen vorgeschrieben sind.
Fazit
Franchising stellt einen Mittelweg zwischen einer vollständig unabhängigen Existenzgründung und der Führung einer klassischen Unternehmensfiliale dar. Der Franchisegeber stellt Marke, Geschäftskonzept und System bereit; der Franchisenehmer führt auf dieser Grundlage sein eigenes Unternehmen.
Ein erprobtes Geschäftsmodell und Markenbekanntheit können für den Einstieg sehr hilfreich sein. Das Investitionsrisiko, laufende Gebühren und eine eingeschränkte unternehmerische Freiheit bleiben aber bestehen.
Wer Franchisenehmer werden möchte, sollte deshalb Marke, Marktpotenzial, Gesamtinvestition und Franchisevertrag genauso gründlich prüfen, wie er das bei einer unabhängigen Existenzgründung auch tun würde. Entscheidend ist nicht allein die Bekanntheit des Systems, sondern ob das Konzept am geplanten Standort nachhaltig profitabel betrieben werden kann.
Häufige Fragen
Wie viel Kontrolle verliere ich über Preise und Lieferanten?
Das hängt von der Ausgestaltung des Franchisevertrags ab. Bei den Verkaufspreisen bestehen allerdings klare wettbewerbsrechtliche Grenzen: Franchisegeber dürfen grundsätzlich unverbindliche Preisempfehlungen aussprechen oder Höchstverkaufspreise festlegen, jedoch keine verbindlichen Mindest- oder Festpreise durchsetzen. Das gilt grundsätzlich auch im Rahmen zentraler Verkaufsaktionen. Bei Lieferanten und Bezugsquellen können dagegen je nach Franchisesystem weitergehende Vorgaben bestehen.
Welche Vertragsklauseln können meinen Ausstieg aus einem Franchise erschweren?
Bei einem Franchise-Vertrag ist vor allem auf Mindestlaufzeiten, Kündigungsfristen, Verlängerungsklauseln, Wettbewerbsverbote und Regelungen zur Verwendung von Ausstattung nach Vertragsende zu achten. Geklärt werden sollte zudem die Frage, ob ein Betrieb verkauft oder an einen Nachfolger übertragen werden darf, weil das von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung sein kann.
Wie wirken sich laufende Franchisegebühren auf meine tatsächliche Marge aus?
Die Betrachtung des Gebührensatzes allein reicht nicht aus, um diese Frage zu beantworten. Eine umsatzabhängige Gebühr fällt beispielsweise auch dann an, wenn die eigenen Kosten steigen und der Gewinn sinkt. Aus diesem Grund sollten unterschiedliche Umsatz- und Kostenentwicklungen modelliert werden und anschließend sollte berechnet werden, wie hoch die verbleibende operative Marge nach Franchise-, Werbe-, IT- und sonstigen Systemgebühren ausfällt.
Wie kann ich prüfen, ob eine Franchise-Marke tatsächlich profitabel ist?
Die Beurteilung einer Franchise-Marke sollte sich nicht allein auf Beispielrechnungen stützen. Wichtiger sind belastbare Erfahrungswerte bestehender Betriebe, nach denen gezielt gefragt werden sollte. Auch ein Vergleich mit Standorten ähnlicher Größe lohnt sich. Besonders aufschlussreich können durchschnittliche Umsätze, Anlaufzeiten, Schließungen, Partnerwechsel und die Entwicklung bereits länger bestehender Standorte sein. Es sollte auch geprüft werden, ob die zugrunde gelegten Kosten wirklich zum eigenen Standort passen.
Sind Franchiseverträge verhandelbar?
Ob die Verträge verhandelbar sind oder nicht, hängt vom System ab. Viele größere Franchisegeber arbeiten weitgehend mit standardisierten Verträgen, um auf diese Weise einheitliche Regeln für sämtliche Partner sicherzustellen. Einzelne wirtschaftliche Punkte können aber trotzdem verhandelbar sein. Zu nennen wären hier etwa der Standort, der Gebietsschutz, der Eröffnungszeitpunkt oder bestimmte Investitionsmodalitäten. Wichtig ist, dass Änderungen immer schriftlich dokumentiert werden sollten.
Wie bewerte ich Gebietsschutz und lokales Wettbewerbsrisiko?
Damit ein exklusives Gebiet wirklich wertvoll ist, sollte es im Vertrag eindeutig definiert sein. Daher ist zu prüfen, ob der Franchisegeber innerhalb des Gebiets weitere Standorte eröffnen darf und wie Online-Verkäufe, Lieferdienste oder andere Vertriebspartner behandelt werden. Allerdings kann Gebietsschutz nicht uneingeschränkt vereinbart werden: Während bestimmte aktive Verkäufe in exklusiv zugewiesene Gebiete beschränkt werden können, dürfen passive Verkäufe grundsätzlich nicht verhindert werden.
Welche Daten muss ein Franchisenehmer an den Franchisegeber übermitteln?
Viele Systeme sehen die regelmäßige Übermittlung von Umsatz-, Verkaufs- oder Bestandsdaten vor. Notwendig ist das für verschiedene Zwecke wie die Gebührenberechnung, die gemeinsame Planung oder das Benchmarking. Es sollte vor Vertragsabschluss geklärt werden, welche Daten erhoben werden, über welche Systeme die Übermittlung erfolgt und wer Zugriff darauf erhält.
Was passiert, wenn der Franchisegeber während der Vertragslaufzeit seine Strategie ändert?
Es ist völlig normal, dass sich Franchisesysteme weiterentwickeln möchten. Es treten neue Produkte oder Designs auf oder es soll eine Anpassung an neue IT-Lösungen oder Marketingkonzepte erfolgen. Das kann die langfristige Partnerschaft verändern. Für Franchisenehmer ist entscheidend, wer die dadurch entstehenden Investitionen trägt und wie weit der Franchisegeber Änderungen verbindlich vorgeben darf. Gerade bei teuren Umbauten oder neuen technischen Systemen sollten diese Mechanismen bereits im Vertrag möglichst klar geregelt sein.



