Was ist ein Freiberufler und wie wird man einer?
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Was ist ein Freiberufler und wie wird man einer?

Freiberufler betreuen ihre eigenen Kunden, kümmern sich um die gezielte Vermarktung ihrer Expertise und genießen bei der Ausübung ihrer Tätigkeit ein hohes Maß an Flexibilität. Häufig platzieren sie sich mit ihren Fähigkeiten in einer Nische und stellen damit eine wichtige Ergänzung des Marktangebots dar.

Solo-Selbstständige waren in Deutschland schon immer ein fester Bestandteil des Arbeitsmarkts. Destatis gibt an, dass in Deutschland im Jahr 2024 etwa 3,6 Prozent aller Erwerbstätigen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren selbstständig waren und ohne weitere Mitarbeiter auskamen.

Interessant ist auch die Altersentwicklung bei den Gründern in Deutschland. Die im Gründungsmonitor 2025 durch die KfW ausgewiesenen Gründer des Jahres 2024 haben einen Altersdurchschnitt von 34,4 Jahren, der nie zuvor so niedrig lag [Quelle:].

Freiberufler haben viel zu bieten, wenn es um flexible und zunehmend digitale Geschäftsmodelle geht. Deshalb ist es wichtig, im Jahr 2026 auf diese Form der Beschäftigung in Deutschland zu blicken.

Fachwissen, eine gute Organisation und reibungslose Kommunikation mit den Kunden sind dabei längst nicht mehr die einzigen Erfolgsfaktoren. Es kommt auch auf einen professionellen Umgang mit Themen wie Steuern, Rechnungsstellung und Zahlungsannahme an.

Was ist ein Freiberufler?

Freiberufler arbeiten auf Vertragsbasis und setzen ihre Fähigkeiten und Erfahrungen ein, um Dienstleistungen für ihre Kunden zu erbringen. Anders als Angestellte arbeiten Freiberufler grundsätzlich selbstständig für Auftraggeber statt in einem festen Arbeitsverhältnis. In der Praxis kann jedoch auch bei ihnen eine wirtschaftliche Abhängigkeit von einzelnen Auftraggebern entstehen.

Nicht zu verwechseln sind Freiberufler mit Freelancern. Während Freelancer ein international verwendeter Begriff für selbstständig tätige Personen ist, ist der Begriff Freiberufler in Deutschland enger gefasst.

Paragraf 18 EStG definiert sehr präzise, was in Deutschland ein Freiberufler ist. Dazu gehören insbesondere selbstständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeiten sowie bestimmte Katalogberufe.

Selbstständiger ist in Deutschland wiederum der Oberbegriff für Gewerbetreibende auf der einen und die Angehörigen der freien Berufe auf der anderen Seite.

Wichtig ist zu verstehen, dass nicht jeder Freelancer ein Freiberufler ist. Viele Freelancer werden in Deutschland steuerlich tatsächlich als Gewerbetreibende behandelt, auch wenn sie sich selbst als Freelancer bezeichnen.

In jedem Fall arbeitet ein Freiberufler eigenverantwortlich, fachlich unabhängig und auf eigene Rechnung. Und er bringt besondere berufliche Qualifikationen oder schöpferische Begabungen mit, die er für seine Aufgabenerfüllung einsetzt.

Wie funktioniert freiberufliche Arbeit in der Praxis

Wie funktioniert freiberufliche Arbeit in der Praxis?

Freiberufler stellen ihre Expertise einem oder mehreren Auftraggebern gegen ein Honorar zur Verfügung. Sie bieten klar definierte Leistungen an und abreiten häufig auf Projektbasis. 

Die Arbeit kann aber auch über einen längeren Zeitraum organisiert sein:

  • Projektbasierte Arbeit: Dieses Modell ist typisch für Freiberufler in der IT, im Marketing oder Design sowie für Berater oder Redakteure. Es wird eine klar abgegrenzte Leistung beauftragt wie etwa die Erstellung einer Kampagne oder Website. Leistungsumfang, Meilensteine und Zeitpunkt der Abnahme und Zahlung sind klar zu definieren.
  • Retainer-Modell: Bei diesem Modell wird mit dem Auftraggeber ein fester Zeitraum vereinbart, in dem der Freiberufler seine Leistungen regelmäßig erbringt. Das bietet für beide Seiten ein hohes Maß an Planbarkeit. Der Kunde sichert sich die Kapazität des Freiberuflers und dieser erhält eine stabile Einkommensquelle.
  • Stundenabrechnung: Üblich ist auch die Abrechnung nach Stunden- oder Tagessatz. Für Berater stellt das ein weitverbreitetes Modell dar. Es kommt zum Einsatz, wenn die Leistungen sehr individuell oder schwer planbar sind. Der Freiberufler muss seinen Aufwand aber realistisch kalkulieren, um mit diesem Modell erfolgreich zu sein.

Der Erfolg in der Zusammenarbeit entscheidet sich bei Freiberuflern häufig auch über die Vertragsbedingungen. Leistungsbeschreibung, Vergütung und Haftung sowie Nutzungsrechte, Fristen und Abnahme sollten in einem guten Honorarvertrag ebenso enthalten sein wie Korrekturschleifen oder Zahlungsziele. Gerade Einsteiger sollten diesen Punkt nicht unterschätzen.

Gängige Zahlungsmodelle für Freiberufler

Freiberufler können auf unterschiedliche Weise bezahlt werden, was von der Leistungsart, der Branche und anderen Faktoren abhängt. In der Praxis kommen dabei vor allem die folgenden vier Zahlungsmodelle zum Einsatz.

Projektbasiertes Honorar

Bei einem projektbasierten Honorar wird ein klar definiertes Ergebnis festgelegt und dafür ein fester Gesamtpreis vereinbart. Dieses Modell ist sinnvoll, wenn sich das Ziel und der Umfang einer Leistung klar definieren lassen. Bei einem Berater kann die Leistung zum Beispiel in der Erstellung eines Businessplans bestehen, für den ein festes Honorar vereinbart wird.

Arbeitet ein Freiberufler effizient, versprechen projektbasierte Honorare eine gute Marge. Aus Sicht des Kunden steht die Planbarkeit des Budgets im Vordergrund. Das Modell ist aber nur umsetzbar, wenn sich die Leistung präzise beschreiben lässt.

Stundensatz

Bei offenen Aufgabenstellungen arbeiten Freiberufler häufig mit einem Stundensatz. Lohnenswert ist dieses Modell zum Beispiel bei komplexen Beratungsleistungen oder bei Projektphasen, bei denen der Umfang vor Beginn der Arbeit noch nicht abschätzbar ist.

In Deutschland wird in Branchen wie der IT, der Rechtsberatung oder im Consulting häufig nach Stundensatz abgerechnet. Auch bei der Erbringung kreativer Dienstleistungen ist das Modell beliebt.

Wer mit einem Stundensatz arbeitet, sollte genau festlegen, was als abrechenbare Zeit gelten soll. So ist etwa festzulegen, ob Vor- und Nachbereitung dazugehören und wie es mit Telefonaten aussieht.

Retainer

Das Retainer-Modell ist empfehlenswert bei regelmäßig erbrachten Leistungen, bei denen ein klassisches Beschäftigungsverhältnis aber nicht die erste Wahl ist. In der Rechtsberatung, im Marketing oder Design ist es üblich, auf diese Weise monatliche Kontingente zu vereinbaren.

Die bessere Planbarkeit des Einkommens gehört bei diesem Modell aus Sicht des Freiberuflers zu den klaren Vorteilen. Dieses Zahlungsmodell bietet sich auch deshalb an, weil diese Form der Zusammenarbeit eine engere Kundenbindung fördern kann. Der Auftraggeber hat immer einen festen Ansprechpartner und kann flexibel Aufgaben an diesen vergeben.

Leistungsabhängiges Honorar

Freiberufler können auch mit einem leistungsabhängigen Honorar arbeiten, doch dieses Modell ist weniger verbreitet. Sinnvoll ist es vor allem in Bereichen wie etwa dem Recruiting, im Vertrieb oder der Leadgenerierung. Entscheidend ist, dass ein Teil des Honorars mit einem messbaren Ergebnis verknüpft ist.

Damit das Modell funktioniert, muss definiert werden, welche Kennzahlen relevant sein sollen und wann die Leistung als erreicht gelten soll. Der Vorteil besteht in der Schaffung starker Anreize für den Leistungserbringer.

Während rein leistungsabhängige Honorare eher selten anzutreffen sind, entscheiden sich Freiberufler häufig für eine Kombination aus Festhonorar und leistungsabhängigem Anteil.

Vorteile der freiberuflichen Tätigkeit

Freiberufler genießen bei der Ausübung ihrer Tätigkeit ein hohes Maß an Flexibilität. Zumeist entscheiden sie selbst, wo und wann sie für wen arbeiten möchten. Termine vor Ort beim Kunden sind ebenso möglich wie eine hybride Zusammenarbeit oder Homeoffice.

Zu den Vorteilen gehört auch die Projektauswahl. Der Freiberufler kann sich für bestimmte Branchen, Themen oder Auftraggeber entscheiden. Das ist besonders relevant für diejenigen, die in einer Nische arbeiten und ihre Expertise gezielt einsetzen möchten.

Zudem arbeitet der Freiberufler nicht nur an Kundenprojekten mit, sondern baut gleichzeitig seine eigene Marke auf. Gerade in wissensintensiven Berufen ist es wichtig, eine starke Expertenposition zu erlangen und sich im Markt entsprechend zu positionieren.

Ein Vorteil sind auch die schlanken Strukturen. Anders als eine Aktiengesellschaft kommt der Freiberufler ohne Vorstand, komplexes Organigramm oder Mitarbeiter aus. Das erleichtert den Einstieg ins Unternehmertum.

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Nachteile und Risiken

Zu den größten Herausforderungen der Freiberuflichkeit gehört die unsichere Einkommenssituation. Der Freiberufler erhält kein Monatsgehalt und genießt keine Lohnfortzahlung. Er ist daher auf eine häufig aufwendige Auftragsakquisition angewiesen, um seine Umsätze dauerhaft stabil halten zu können.

Verspätete Zahlungen, Leerzeiten und saisonale Schwankungen gehören zu den Risiken bei jeder freiberuflichen Tätigkeit. Gerade für Einsteiger können diese Faktoren belastend sein.

Zudem muss sich der Freiberufler selbst um wichtige Themen wie Versicherung, Rücklagen und Altersvorsorge sowie Steuern und Rechnungswesen kümmern. Es ist nicht zu unterschätzen, wie hoch der damit einhergehende Aufwand ausfallen kann. Hier investierte Zeit steht nicht für Projekte zur Verfügung.

Problematisch ist auch die Abhängigkeit von einzelnen Auftraggebern. Fallen diese weg, kann das erhebliche Auswirkungen auf die Umsätze haben. Damit sind Freiberufler wirtschaftlich verwundbarer.

Wie man in 7 einfachen Schritten Freiberufler wird

Wer den Weg der Freiberuflichkeit beschreiten möchte, sollte gut vorbereitet sein. Ein kontrollierter Aufbau ist häufig besser als ein überstürztes Vorgehen. Folgende Schritte können dabei helfen, den Einstieg reibungsloser zu gestalten.

1. Definieren Sie Ihre Dienstleistungen

Freiberufler sollten möglichst klar beschreiben, welche Leistung sie anbieten. Die Kundengewinnung gestaltet sich schwierig, wenn die Leistungsbeschreibung zu vage ausfällt. So ist ein Begriff wie “Beratung” nicht präzise genug, “UX-Beratung” hingegen schon deutlich hilfreicher.

Die Frage, welches Problem ein Freiberufler für seine Kunden lösen kann, sollte möglichst klar beantwortet werden. Das ist auch für die steuerliche Einordnung wichtig und erleichtert die Kundengewinnung.

2. Identifizieren Sie Ihre Nische und Ihre Zielkunden

Für Freiberufler ist es häufig sinnvoll, sich mit ihren Leistungen in einer Nische zu bewegen. Damit fällt die Abgrenzung von der Konkurrenz leichter und das Angebot wird nicht als beliebig wahrgenommen.

In der Nische kann der Freiberufler seine fachliche Stärke zur Geltung bringen und sich spezialisieren. Die Zielkunden genau zu definieren, hilft auch bei der Kundenakquisition und beim Aussortieren irrelevanter Anfragen.

3. Wählen Sie Plattformen und bauen Sie eine konsistente Online-Präsenz auf

Der Aufbau einer Plattformpräsenz zum Beispiel auf LinkedIn ist häufig der erste Schritt in die Selbstständigkeit als Freiberufler. Fachportale und Business-Netzwerke sind hier sinnvoll, um Aufträge zu finden und seine Sichtbarkeit zu erhöhen. Dabei darf es aber nicht bleiben.

Ebenso wichtig wie Plattformen sind für Freiberufler die persönlichen Empfehlungen, Branchenveranstaltungen oder die direkte Netzwerkpflege. Solo-Selbstständige sollten darauf achten, sich in allen Kanälen konsistent zu präsentieren, um glaubwürdig zu wirken.

4. Legen Sie Ihre Preisstrategie fest

Noch vor der Festlegung eines Stundensatzes sollte die Frage nach dem passenden Vergütungsmodell beantwortet werden. Manchmal sind Projektpreise besser als reine Stundensätze oder Tagessätze. Und für eine laufende Betreuung von Kunden kann das Retainer-Modell sinnvoll sein.

Eine systematische Kalkulation ist in jedem Fall wichtig. Neben der reinen Arbeitszeit sind auch die Akquise, Urlaube, Krankheitstage und Weiterbildungen zu berücksichtigen. Selbst ein auf den ersten Blick ordentlicher Stundensatz kann sich als zu niedrig erweisen, wenn Ausfallzeiten nicht realistisch kalkuliert wurden.

5. Erstellen Sie ein professionelles Portfolio oder eine Website

Freiberufler sind in besonderem Maße darauf angewiesen, ihre Problemlösungskompetenz zu zeigen. Dafür ist ein professionell erstelltes Portfolio wichtig. Arbeitsproben liefern den Beweis dafür, dass der Freiberufler in der Vergangenheit erfolgreich für seine Kunden tätig war.

Eine Website muss nicht besonders umfangreich sein, sie muss aber qualitativ hochwertig befüllt sein. Dazu gehören Fallbeispiele mit nachvollziehbaren Resultaten. Diese könnten etwa die Frage beantworten, wie viele zusätzliche Leads für einen Kunden generiert werden konnten. Wichtig ist auch eine klare Markenkommunikation.

6. Bewerben Sie Ihre Dienstleistungen und sammeln Sie Bewertungen

Wer hervorragende Leistungen anbietet, sollte die potenziellen Kunden auch davon wissen lassen. Das Marketing gehört daher für den Freiberufler immer zu den Kernaufgaben. Eine klare Kommunikation steht hier im Vordergrund und nicht ein aufdringliches Verkaufen.

Referenzen sind gerade für Einsteiger in die freiberufliche Selbstständigkeit wichtig. Es ist daher lohnenswert, zufriedene Kunden um Bewertungen zu bitten oder um Freigaben für Fallstudien.

7. Beginnen Sie schrittweise und testen Sie, bevor Sie sich vollzeitlich selbstständig machen

In manchen Fällen könnte es sich lohnen, die Freiberuflichkeit schrittweise aufzubauen. Wer bereits über eine Einkommensquelle verfügt, sollte diese nicht sofort aufgeben. Erst, wenn sich die Einkommenssituation aus der freiberuflichen Tätigkeit stabilisiert hat, kann der vollständige Wechsel in die Selbstständigkeit vollzogen werden.

Gerade in Deutschland ist das ein realistischer Weg. Zuerst gilt es, Kundenbeziehungen zu entwickeln, Marktfeedback zu sammeln und die Wirtschaftlichkeit der Tätigkeit zu erproben, bevor der Übergang in die Vollzeit-Selbstständigkeit erfolgt.

Rechtliche und steuerliche Aspekte für Freiberufler in Deutschland

Rechtliche und steuerliche Aspekte für Freiberufler in Deutschland

Wer sich für eine freiberufliche Tätigkeit entscheidet, muss eine ganze Reihe von rechtlichen und steuerlichen Aspekten berücksichtigen. Mit diesen Themen sollten sich angehende Freiberufler möglichst frühzeitig auseinandersetzen. Es gilt, den Start in die Selbstständigkeit auf dieser Ebene so reibungslos wie möglich zu gestalten.

Unterschied zwischen Freiberufler und Gewerbetreibender

Grundsätzlich muss verstanden werden, dass Freiberufler und Gewerbetreibende in Deutschland nicht dasselbe sind. Gegenüber dem Finanzamt werden die Angehörigen freier Berufe und die Gewerbetreibenden hinsichtlich Gründungsformalitäten, Rechtsformwahl und Anmeldepflichten durchaus unterschiedlich behandelt.

Wichtig ist vor allem, dass für Freiberufler erst einmal keine Gewerbesteuerpflicht besteht. Sie müssen aber trotzdem die Einkommensteuer zahlen und sich in vielen Fällen auch um das Thema Umsatzsteuer kümmern.

Im Zweifelsfall trifft das Finanzamt die Entscheidung, wie der Selbstständige steuerlich zu behandeln ist. Es ist auch möglich, dass später nach einer Betriebsprüfung die Einordnung noch einmal geändert wird.

Anmeldepflichten (Finanzamt)

Anders als Gewerbetreibende melden sich Freiberufler nicht über das Gewerbeamt, sondern über das Finanzamt an. Eine Anmeldung hat spätestens vier Wochen nach Aufnahme der Tätigkeit zu erfolgen.

Die Anmeldung geschieht über das Online-Portal ELSTER. Hier füllt der angehende Freiberufler den „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ aus. Das Finanzamt wertet den Fragebogen aus und sendet dann eine Steuernummer zu.

Gerade bei modernen Leistungen mit digitalem Bezug ist es möglich, dass das Finanzamt seine Meinung später noch einmal ändert. Das kann auch bei gemischten Leistungen der Fall sein, bei denen eine steuerliche Einordnung erschwert ist. Darauf sollte sich der Freiberufler einstellen und eventuell eine frühzeitige Beratung in Betracht ziehen. Hier kommen in Deutschland Steuerberater und spezialisierte Gründungsstellen infrage.

Umsatzsteuer und Kleinunternehmerregelung

Wer im Jahr 2026 in Deutschland in die Freiberuflichkeit startet, sollte sich die neue Kleinunternehmerregelung ansehen. Diese wurde 2025 reformiert. Für die inländische Anwendung gilt jetzt eine Umsatzgrenze von 25.000 Euro im Vorjahr und 100.000 Euro im laufenden Jahr, um die Kleinunternehmerregelung nutzen zu können. Bei grenzüberschreitender Nutzung innerhalb der EU können zusätzliche Voraussetzungen und ein besonderes Meldeverfahren relevant werden.

Im Jahr der Neugründung ist die Grenze von 25.000 Euro Umsatz maßgeblich. Die Selbstständigen sollten daran denken, dass bereits der Umsatz, mit dem die Grenze von 100.000 Euro im laufenden Jahr überschritten wird, nicht mehr steuerfrei ist und in voller Höhe der Regelbesteuerung unterliegt.

Der Vorteil der Kleinunternehmerregelung besteht darin, dass keine Umsatzsteuer auf den Rechnungen ausgewiesen oder an das Finanzamt abgeführt werden muss. Daher entfallen auch die ansonsten monatlich oder quartalsweise erforderlichen Umsatzsteuervoranmeldungen. Das reduziert den bürokratischen Aufwand für den Gründer erheblich.

Krankenversicherung und Rentenverpflichtungen

In Deutschland müssen Freiberufler entweder privat oder über eine gesetzliche Kasse krankenversichert sein. Die Künstlersozialkasse kommt unter bestimmten Voraussetzungen für künstlerisch oder publizistisch Tätige infrage.

Der allgemeine Beitragssatz liegt bei der gesetzlichen Krankenversicherung bei 14,6 Prozent und der vom Bundesgesundheitsministerium bekanntgegebene durchschnittliche Zusatzbeitragssatz bei 2,9 Prozent (Stand: April 2026). Während sich Angestellte diese Beiträge mit dem Arbeitgeber teilen, müssen freiwillig gesetzlich versicherte Freiberufler ihre Beiträge grundsätzlich selbst tragen.

Bestimmte Freiberufler wie etwa Lehrer, Erzieher oder Hebammen sind zudem rentenversicherungspflichtig. Das gilt auch für Freiberufler, die im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig sind. Weitergehende Informationen finden Gründer auf der Website der Deutschen Rentenversicherung.

Wie Freiberufler in Deutschland Zahlungen entgegennehmen können

Wie Freiberufler in Deutschland Zahlungen entgegennehmen können

Ein funktionierendes Geschäftsmodell basiert nicht nur auf der erfolgreichen Leistungserbringung. Der Freiberufler muss auch seine Honorare auf effiziente Weise vereinnahmen können. Es ist daher wichtig, sich auch über das Thema Zahlungen Gedanken zu machen. Wer hier gut aufgestellt ist, erhält gleich einen Startvorteil.

Banküberweisungen (SEPA)

SEPA-Überweisungen sind der klassische Weg, wenn es in Deutschland um das Begleichen von Rechnungen geht. SEPA ist dabei der einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum, der europaweit einheitliche Verfahren für Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen ermöglicht. Auch Kunden aus dem EU-Ausland können also die Überweisung nutzen.

Wer als Freiberufler Überweisungen anbietet, erleichtert es daher seinen Kunden, im europäischen Raum verschickte Rechnungen unkompliziert zu bezahlen.

Online-Zahlungen

Freiberufler sollten darauf achten, ihren Kunden verschiedene Zahlungsoptionen anzubieten. Und dazu gehören neben der Überweisung auch Online-Zahlungen. Das ist zum Beispiel dann besonders wichtig, wenn zum Angebot auch digitale Leistungen gehören.

Von Online-Zahlungen profitieren auch Freiberufler, die spontane Kundenzahlungen oder Anzahlungen entgegennehmen möchten. Bei digitalen Services und Online-Verkäufen kann ein Checkout-System sinnvoll sein. Mit myPOS Checkout bietet myPOS ein solches Online-Payment-Gateway für die Zahlungsannahme im E-Commerce an. Dieses Angebot richtet sich an Freiberufler, die sich eine nahtlose Online-Zahlungsakzeptanz für ihren Onlineshop wünschen.

Kartenzahlungen vor Ort oder aus der Ferne

Kartenzahlungen aus der Ferne sind dann relevant, wenn ein Kunde die Leistung telefonisch, per E-Mail oder ohne physisches Terminal bezahlen soll. Das Virtual Terminal von myPOS deckt genau diesen Einsatzfall ab.

Die Zahlungsannahme funktioniert per Virtual Terminal auch ohne stationäres Kartenlesegerät. Das ist zum Beispiel für Berater, Veranstalter oder freie Dienstleister interessant, die ihre kurzfristigen Aufträge, Reservierungen oder Vorauszahlungen remote abrechnen möchten.

Wer hingegen als Freiberufler vor Ort beim Kunden arbeitet, kann auf das mobile Bezahlterminal von myPOS setzen. Hierbei handelt es sich um ein eigenständiges tragbares Kartenlesegerät für die Zahlungsannahme unterwegs. Spontane Käufe lassen sich damit direkt abschließen.

Bedeutung der Einhaltung von Rechnungsstellungsvorschriften

Wer freiberuflich arbeiten möchte, muss wissen, wie er für seine Kunden und Geschäftspartner korrekte Rechnungen ausstellt. 

Nach 14 UStG sind hier eine Reihe von Pflichtangaben zu berücksichtigen:

  • Name und Anschrift von Leistungserbringer und Leistungsempfänger
  • Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer
  • Ausstellungsdatum
  • Rechnungsnummer
  • Art und Umfang der Leistung
  • Leistungszeitpunkt
  • Entgelt
  • Steuersatz und Steuerbetrag
  • Hinweis auf Steuerbefreiung, falls diese greift

Freiberufler sollten daran denken, dass die Rechnung nicht nur als Zahlungsdokument gilt. Sie hat auch steuerlichen Nachweischarakter, weshalb die Rechnungsstellungsvorschriften unbedingt zu berücksichtigen sind.

Im Jahr 2026 richtet sich der Blick auf die E-Rechnung. Seit dem 1. Januar 2025 ist bei Umsätzen zwischen inländischen Unternehmen die E-Rechnung bereits Pflicht, wobei hier verschiedene Übergangsregelungen gelten. Kleinunternehmer müssen keine E-Rechnung ausstellen, diese aber empfangen können.

Fazit

Die Freiberuflichkeit kann in Deutschland viele Formen annehmen, doch einige Erfolgsfaktoren sind universell. Dazu gehören klar definierte Leistungen, das Besetzen einer sinnvollen Nische und eine gelungene Organisation. Freiberufler müssen darauf achten, dass ihr Geschäftsmodell wirtschaftlich tragfähig ist und sie sich sozialversicherungsrechtlich nicht dem Vorwurf der Scheinselbstständigkeit aussetzen.

Freiberufler müssen sich zudem Gedanken über Versicherungen, die Rechnungsstellung und Zahlungswege machen. Das Zahlungssystem sollte zum eigenen Geschäftsmodell passen und die Zusammenarbeit mit den Kunden auch auf dieser Ebene erleichtern. Verlässliche Partner für die Zahlung sind für etablierte Unternehmer ebenso wichtig wie für diejenigen, die gerade in ihre Freiberuflichkeit starten und den Aufwand damit möglichst gering halten möchten.

Häufige Fragen

Freiberufler sind in Deutschland selbstständig Tätige, deren Arbeit nach § 18 EStG zu den freien Berufen zählt. Dazu gehören Katalogberufe, katalogähnliche Berufe und bestimmte Tätigkeitsberufe, etwa wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeiten. Maßgeblich ist nicht, ob die Arbeit projektbezogen organisiert ist, sondern wie die konkrete Tätigkeit fachlich und steuerlich einzuordnen ist. In Zweifelsfällen erfolgt die Zuordnung nur nach Einzelfallprüfung.

Nein, in der Regel ist das nicht erforderlich. Die freiberufliche Tätigkeit zeichnet sich gerade dadurch aus, dass keine Anmeldung beim Gewerbeamt erforderlich ist. Die Anmeldung der Tätigkeit erfolgt stattdessen beim Finanzamt. Freiberufler sollten das spätestens vier Wochen nach der Aufnahme ihrer Tätigkeit erledigt haben. Eine gewerbliche Einstufung ist aber auch bei Freiberuflern in bestimmten Fällen möglich.

Die Inanspruchnahme der Kleinunternehmerregelung hängt vom Umsatz ab. Liegt dieser im Vorjahr unterhalb von 25.000 Euro und im laufenden Kalenderjahr unterhalb von 100.000 Euro, kann der Freiberufler diese Regelung für sich nutzen. Ab dem Überschreiten der Umsatzgrenze von 100.000 Euro entfällt die Begünstigung wieder.

Gesetzlich ist ein separates Geschäftskonto für Freiberufler in Deutschland erst einmal nicht vorgeschrieben. Es stellt sich jedoch die Frage, ob eine Trennung von privaten und beruflichen Zahlungen sinnvoll ist. Zum Beispiel kann ein Geschäftskonto die Buchhaltung oder die Steuererklärung vereinfachen. Auch die wichtige Liquiditätsplanung lässt sich mit einem separaten Konto besser durchführen.

Die Kranken- und Pflegeversicherung gehören zu den verbindlichen Versicherungen, denn in Deutschland sind auch Selbstständige dazu verpflichtet, privat oder gesetzlich krankenversichert zu sein. Weitere berufsrechtliche Vorgaben sind möglich und auch das Einzahlen in die gesetzliche Rentenversicherung kann erforderlich sein. Das hängt von der jeweiligen Berufsgruppe ab.

Ja, Freiberufler können von ihren Kunden bzw. Auftraggebern Kartenzahlungen entgegennehmen. Das funktioniert zum Beispiel online über entsprechende Checkout-Lösungen oder vor Ort über mobile Terminals. Virtuelle Terminals ermöglichen Kartenzahlungen aus der Ferne. Mobile Dienstleister, Berater und Freiberufler mit digitalem Angebot können davon besonders profitieren. Mobile Kartenlesegeräte für Kleinunternehmen [Link:] bietet zum Beispiel myPOS an.

Um dem Verdacht der Scheinselbstständigkeit zu entgehen, muss die Tätigkeit tatsächlich selbstständig ausgeführt werden. Sie darf also nicht unter Anleitung eines Arbeitgebers erfolgen, wie es bei einem klassischen Arbeitnehmer der Fall wäre. Die dauerhafte Zusammenarbeit mit nur einem Auftraggeber wäre zum Beispiel problematisch oder die feste Eingliederung in dessen Organisation.

Eine Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung besteht bei Freiberuflern nur für bestimmte Berufsgruppen. Unter bestimmten Voraussetzungen können davon auch Selbstständige betroffen sein, die nur für einen Auftraggeber arbeiten. Es ist zudem möglich, sich freiwillig über die gesetzliche Rentenversicherung abzusichern. Es hängt also immer vom Beruf und der konkreten Tätigkeit ab, ob eine Versicherungspflicht besteht.

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