Kundenabwanderung im Unternehmen: Bedeutung, Berechnung und Tipps zur Churn Rate
Veröffentlicht am: 11.02.2026
Letzte Aktualisierung: 11.02.2026
Lange Zeit war die Abwanderungsrate ein reines Thema für den Vertrieb. Die Abwanderung von Kunden wurde vor allem als Umsatzverlust gesehen und die Verantwortung für den Umsatz liegt beim Vertrieb. Mittlerweile verschiebt sich der Fokus jedoch deutlich, weil die Regulierung die Exit-Friktion senkt, die Kunden mehr Rechte haben und die Zahlungs-/Abrechnungsfriktion in Abo-Modellen viel wichtiger ist als die Vertragsfriktion.
Heute kommt es vor allem auf stabile Prozesse, nachvollziehbare Leistungen und einen konsistenten Kundenservice an. Davon sind insbesondere Modelle mit wiederkehrenden Erlösen betroffen wie etwa die Bereiche Telekommunikation, SaaS und Fintech.
Der Blick auf die Abwanderungsrate (Churn Rate) verrät, ob die Wertversprechen eingehalten wurden, Probleme im Kundenservice existieren oder Kunden mit der Abrechnung unzufrieden sind. Eine präzise Messung der Kundenabwanderung schafft Transparenz und ermöglicht es, Abwanderungsrisiken früh zu erkennen und Kundenbeziehungen langfristig zu stabilisieren.
INHALTSVERZEICHNIS
- Was ist die Churn Rate (Kundenabwanderungsrate)?
- Warum das Messen der Churn Rate wichtig ist
- Arten von Churn, die Unternehmen verfolgen sollten
- Wie man die Churn Rate berechnet
- Churn-Analyse und Erkenntnisse
- Häufige Ursachen für Kundenabwanderung
- Churn-Benchmarks und Trends in Deutschland
- Wie man Kundenabwanderung reduziert: Bewährte Strategien
- Fortgeschrittenes Churn-Management und Prognosen
- Churn-Daten zur Stärkung der Unternehmensstrategie nutzen
- Fazit
Was ist die Churn Rate (Kundenabwanderungsrate)?
Die Abwanderungsrate beschreibt den Anteil der Kunden, die innerhalb eines definierten Zeitraums die Geschäftsbeziehung beenden oder die Nutzung eines Dienstes einstellen. Das kann zum Beispiel die Kündigung eines Abonnements sein. Andere Bezeichnungen für die Abwanderungsrate lauten Churn Rate, Kundenabwanderungsrate oder Kundenverlust.
Für wiederkehrende Erlösmodelle ist diese Kennzahl von besonderer Bedeutung, weil die Reduzierung der Kundenabwanderung zu einer höheren Kundenbindung, Kundenloyalität und Stabilität der Kundenbasis führt.
Kurzfristige Vertragsmechaniken spielen in stark regulierten Märkten, wie wir sie in der EU häufig vorfinden, eine geringere Rolle. Für die Kunden stehen hier vielmehr Fragen wie ein nachweisbarer Nutzen, transparente Konditionen und eine konsistente Servicequalität im Vordergrund. Unternehmen reagieren auf eine höhere Abwanderungsrate sehr empfindlich, weil das unmittelbar negative Auswirkungen auf die Rentabilität und den realisierbaren Kundenwert (Customer Lifetime Value) hat.
Die Kundenabwanderung sollte dabei begrifflich sauber getrennt werden. Kundenabwanderung bezieht sich auf den Verlust an Kunden (Volumen), während die Umsatzabwanderung (Revenue Churn) den Wertverlust misst und damit den Erlösrückgang etwa durch Kündigungen.
Warum das Messen der Churn Rate wichtig ist
Die Abwanderungsrate ist ein zentraler Outcome-KPI, weil sie die Kundenbindung als Ergebnis messbar macht: Sie zeigt, wie stark der Kundenbestand in einem Zeitraum schrumpft und wie sich das auf Umsatzstabilität, Deckungsbeitrag und Wachstum auswirkt.
Für sich genommen erklärt die Kennzahl jedoch weder Kundenzufriedenheit noch Kundenloyalität oder die Produkt-Markt-Passung; hierfür sind ergänzende Analysen erforderlich, etwa Kohortenbetrachtungen, Nutzungsmetriken und systematisches Kundenfeedback.
Die Churn Rate hilft also dabei, die Kundenbindung messbar zu machen. Es lassen sich Aussagen treffen wie „eine Verbesserung von X senkt den Churn um Y Prozent, was zu Z Prozent weniger Umsatzverlust führt“.
Unternehmen aus der Energiebranche wie Strom- und Gasanbieter beispielsweise sind mittlerweile dazu verpflichtet, an die Bundesnetzagentur für das Monitoring Daten zu liefern, aus denen sich u. a. die Wechselquoten ablesen lassen
Arten von Churn, die Unternehmen verfolgen sollten
Bei der Kundenabwanderungsanalyse sind verschiedene Formen der Abwanderung zu unterscheiden. Denn Ursachen, Hebel und Kostenstruktur können unterschiedlich sein.
Freiwilliger Churn
Um eine freiwillige Kundenabwanderung handelt es sich, wenn der Kunde bewusst kündigt bzw. seinen Vertrag nicht verlängert. Eventuell ist der Kunde mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis oder der Servicequalität unzufrieden.
In der Regel ist die freiwillige Abwanderung eng mit der Kundenzufriedenheit und Kundenloyalität verknüpft. Sie dient daher als direkter Indikator für die Kundenbindung ebenso wie für die Produkt-Markt-Ausrichtung.
Das Kundenbeziehungsmanagement steht hier vor der Aufgabe, Kundenfeedback, Beschwerdegründe und Nutzungsmuster genau zu analysieren und die Gründe für die Kundenabwanderung zu ermitteln.
Der freiwillige Churn lässt sich zum Beispiel durch gezielte Maßnahmen wie Treueprogramme oder ein verbessertes Onboarding sowie eine klarere Kommunikation reduzieren.
Unfreiwilliger Churn
Ein unfreiwilliger Churn liegt dann vor, wenn die Geschäftsbeziehung endet, obwohl kein bewusster Kündigungsentschluss vorliegt. Zahlungsausfälle, ein Zahlungsabbruch wegen einer abgelaufenen Karte oder fehlgeschlagene Lastschriften können hierfür der Grund sein.
Für die DACH-Region ist das besonders relevant, weil SEPA- und Lastschriftverfahren im Zahlungsverkehr eine hohe praktische Bedeutung haben. Kommt es zum Beispiel zu Rücklastschriften, können dadurch operative Folgekosten entstehen.
Ein unfreiwilliger Churn hat also weniger etwas mit Kundenzufriedenheit, sondern vielmehr mit einem Prozess- und Datenqualitätsproblem zu tun.
Um den unfreiwilligen Churn zu reduzieren, müssen Unternehmen beispielsweise in robustere Zahlungs- und Abrechnungsabläufe investieren. Automatisierungen, die Zahlungsaktualisierungen automatisieren oder eine strukturierte Retry-Logik ermöglichen, sind hier besonders hilfreich.
Umsatz-Churn
Der Verlust wiederkehrender Einnahmen wird über den Umsatz-Churn gemessen.
Neben Kündigungen oder wegfallenden Zusatzleistungen können auch Downgrades zu einem solchen Umsatzverlust führen. Fallen umsatzstarke Kunden weg, kann der Umsatz-Churn hoch sein, auch wenn nur wenige Kunden abwandern oder die Abwanderungen in einem umsatzstarken Segment erfolgen. Die Umsatzabwanderung ist damit eine sinnvolle Ergänzungs-KPI zur reinen Kundenabwanderungsrate.
Diese Kennzahl hat eine hohe Bedeutung für SaaS-Unternehmen mit Abonnementmodellen, wie sie in Europa stark verbreitet sind. Häufig findet in der Praxis eine Kombination mit der Kundenwertanalyse statt, um die notwendige Kundeninteraktion zur Verbesserung der KPI besser planen zu können.
Mitarbeiter- oder Partner-Churn
Bei der Mitarbeiter- oder Partnerabwanderung handelt es sich nicht um eine Kundenabwanderung im engeren Sinne. Hierbei kommt es zu Fluktuationen bei den Rollen oder Dienstleistungspartnern, die für die Leistungserbringung am Kunden wichtig sind. Es handelt sich also um eine indirekte Wirkung auf den Churn.
Wechselt zum Beispiel ein Ansprechpartner oder kommt es zu längeren Lösungszeiten, können damit die Servicequalität und damit auch die Kundenzufriedenheit sinken. Wenn also die Mitarbeiter- oder Partner-Churn steigt, ist auch mit einem erhöhten Kundenabwanderungsrisiko zu rechnen.
Für das Kundenbeziehungsmanagement ergibt sich daraus die Notwendigkeit, die Mitarbeiter- oder Partner-Churn als Frühindikator zu berücksichtigen. Eine Einbeziehung in die Kundenabwanderungsanalyse und das Monitoring sind ratsam.
Wie man die Churn Rate berechnet
Für die Berechnung der Churn Rate bedient man sich der folgenden Standardformel:
Abwanderungsrate = (Anzahl der während des Zeitraums verlorenen Kunden ÷ Gesamtzahl der Kunden zu Beginn des Zeitraums) × 100
Die gewählte Periode kann zum Beispiel einen Monat oder ein Jahr betragen. Wichtig ist zudem, mit einer klar definierten Kundenbasis zu arbeiten. Das können zum Beispiel aktive Verträge sein, aktive Konten oder aktive Nutzer. Es ist wichtig, hier über eine saubere Datenbasis zu verfügen.
Beispiel für die Berechnung für einen Monat:
Anzahl der Kunden zu Monatsbeginn: 1.000
Anzahl der Kundenabgänge während des betrachteten Monats: 30
(30 ÷ 1.000) x 100 = 3 %
Es ergibt sich in diesem Beispiel also eine Abwanderungsrate von 3 Prozent in einem Monat.
In Abhängigkeit vom Geschäft können auch jährliche oder vierteljährliche Betrachtungen sinnvoll sein. Mit Quartalswerten lassen sich zum Beispiel Saisonalitäten glätten, monatliche Betrachtungen sind hingegen bei kurzzyklischen Abonnementmodellen sinnvoll. Bei langen Laufzeiten und geringeren Transaktionsrhythmen kann eine jährliche Churn Rate berechnet werden.
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Churn-Analyse und Erkenntnisse
Die Churn-Analyse zielt darauf ab, Muster hinter den Kundenverlusten aufzudecken und damit wichtige Erkenntnisse zu gewinnen, aus denen sich Handlungsanweisungen ableiten lassen. Damit geht die Churn-Analyse über ein reines Reporting hinaus.
Folgende Fragen können dabei von Interesse sein:
- Wann treten Abwanderungen gehäuft auf?
- Welche Signale der Kundeninteraktion gehen einer Abwanderung häufig voraus?
- Welche Aufteilung in Kohorten ist sinnvoll, um strukturelle Trends von saisonalen Effekten trennen zu können?
In der Churn-Analyse kommt häufig eine Segmentierung zum Einsatz. Es erfolgt dabei eine Aufteilung der Kundenabwanderung nach Kundentyp, Produktlinie oder Region. Feedback-Schleifen helfen bei der Ursachenklärung und machen Kündigungsgründe und Supportkontakte sichtbar.
Entscheidend ist eine systematische Erhebung des Kundenfeedbacks, dessen Auswertung sowie die Übersetzung in Maßnahmen, deren Wirkungen auch überprüft werden.
Zudem sollte eine konsequente Verknüpfung mit Wert- und Wachstumskennzahlen erfolgen. Dazu gehören der CLV (Customer Lifetime Value) oder der ARPU (Average Revenue per User) sowie Wachstumsmetriken wie etwa die Netto-Neukunden oder der Deckungsbeitrag. Das ist gerade für die in Deutschland stark vertretenen KMU wichtig, weil sie ihre knappen Ressourcen in ein planbares und profitables Wachstum übersetzen möchten.
Häufige Ursachen für Kundenabwanderung
Eine erhöhte Kundenabwanderung entsteht zumeist dort, wo sich die Erwartungen der Kunden im Rahmen der Customer Journey nicht erfüllen, das Serviceerlebnis unzureichend ist oder Probleme im Zahlungsprozess auftreten:
- Schwache Einarbeitung und unklare Wertversprechen: Hierzu gehört ein Onboarding mit zu langem Time-to-Value. Wenn der Kunde über einen abstrakten Nutzen klagt oder die Kommunikation unklar ist, kann das schnell zum Abbruch führen.
- Schlechter Support oder verzögerte Antworten: Lange Reaktionszeiten, ein unzuverlässiger Service oder wiederholte Eskalationen können zu einer höheren Churn Rate führen.
- Starre Verträge oder komplexe Kündigungsbedingungen: Schwer verständliche Konditionen und komplizierte Kündigungsprozesse wirken sich negativ aus. Für bestimmte Verbraucherverträge über entgeltliche Dauerschuldverhältnisse, deren Abschluss über die Website möglich ist, verlangt § 312k BGB eine leicht zugängliche Kündigungsschaltfläche („Kündigungsbutton“). Ausgenommen sind u. a. Finanzdienstleistungen sowie Fälle, in denen gesetzlich eine strengere Kündigungsform als die Textform vorgeschrieben ist. Zudem hat der Bundesgerichtshof klargestellt, dass der Kündigungsbutton unmittelbar erreichbar sein muss und nicht durch mehrstufige Navigation faktisch erschwert werden darf.
- Abonnementmüdigkeit oder übermäßige Automatisierung: Sich kumulierende Abos können dazu führen, dass die Bereitschaft zur Fortsetzung eines Abonnements sinkt. Zudem kann eine übermäßige Automatisierung zum Beispiel zu einer unpersönlichen Kommunikation führen, die Kunden eventuell als negativ wahrnehmen.
- Zahlungsprobleme: Abgebrochene Zahlungsvorgänge, SEPA-Fehler oder Rücklastschriften sowie zu eingeschränkte Zahlungsmethoden können zu einer höheren Churn Rate beitragen.
Zusammengefasst zeigt sich, dass Kundenabwanderung selten einen einzelnen Auslöser hat, sondern das Ergebnis mehrerer negativer Berührungspunkte ist. Wer diese systematisch identifiziert und reduziert, kann die Churn Rate nachhaltig senken und die Kundenbindung stärken.
Churn-Benchmarks und Trends in Deutschland
In Abhängigkeit von der Branche und Messlogik sind in Deutschland unterschiedliche Kundenabwanderungsraten zu beobachten:
- Telekommunikation: Öffentlich berichtet werden meist anbieter- und definitionsspezifische Churn-Kennzahlen. Als Größenordnung liegen diese häufig im niedrigen einstelligen Prozentbereich pro Monat. Beispiel: Telefónica Deutschland berichtet für Q1/2023 für die Kernmarke O2 eine monatliche Churn Rate von 1,0 %.
- SaaS: Im europäischen B2B-SaaS wird Kundenbindung häufig über Gross/Net Revenue Retention (GRR/NRR) beschrieben. Der European SaaS Benchmark 2023 nennt für Enterprise-Software als „best in class“ u. a. NRR >125 % und Churn <5 %.
- Einzelhandel: Einzelhandel: Für den Handel sind allgemeingültige, öffentlich verfügbare Churn-Benchmarks selten, weil Abwanderung je nach Geschäftsmodell meist über Wiederkauf bzw. Inaktivität definiert wird. Als Indikator für die Bindungsherausforderung zeigen Studien eine hohe Wechselbereitschaft: Knapp die Hälfte der Konsumenten sucht regelmäßig in mindestens einem Kanal nach neuen Anbietern; ein Viertel ist durchgehend auf der Suche. Diese Werte beschreiben die Wechselneigung, nicht eine realisierte Churn-Rate.
- Finanzwesen: Im Finanzwesen bewegen sich die Churn Raten häufig in einem mittleren Bereich. So sollen zum Beispiel in Deutschland im Jahr 2024 etwa neun Prozent der Bankkunden in Deutschland ihr Girokonto gewechselt haben.
Insgesamt verdeutlichen die Benchmarks, dass Churn stark branchenabhängig ist und nur im jeweiligen Markt- und Messkontext sinnvoll interpretiert werden kann. Für Unternehmen ist daher weniger der Vergleich mit fremden Branchen entscheidend als das kontinuierliche Monitoring der eigenen Kennzahlen und deren Entwicklung über die Zeit.
Wie man Kundenabwanderung reduziert: Bewährte Strategien
Folgende Best-Practices sind für die Reduzierung der Kundenabwanderung bekannt und finden heute in den Unternehmen Berücksichtigung.
Onboarding verbessern
Ein optimal umgesetztes Onboarding übersetzt das Wertversprechen auf direktem Weg in einen First Value für den Kunden. Dazu gehören zum Beispiel klar nachvollziehbare Schritt-für-Schritt-Anleitungen oder eine messbare Aktivierung (Übergang von der Registrierung zur echten Nutzung), wozu etwa eine erste erfolgreiche Zahlung gehören kann.
Eine automatisierte SEPA-Einrichtung inklusive sauberer Mandatsprozesse kann gerade in Payment- und Kartengeräte-Umgebungen frühe Abwanderungsursachen reduzieren.
Kundenerlebnis verbessern
Verlässlichkeit und Reaktionsfähigkeit können erheblich dazu beitragen, das Kundenerlebnis zu verbessern. Dazu gehören zum Beispiel ein proaktiver Support oder mehrere Servicekanäle etwa über Telefon, Chat, E-Mail und Help-Center.
Hilfreich ist auch ein konsistenter und personalisierter Kontakt über sämtliche Kundeninteraktionen hinweg. Kurze Lösungszeiten stabilisieren die Kundenzufriedenheit und stärken das Vertrauen in den Service.
Bindungskampagnen umsetzen
Gezielt durchgeführte Kundenbindungskampagnen können sich zum Beispiel aus Treueprogrammen, Empfehlungen oder Rückgewinnungsangeboten zusammensetzen. Möglich sind Gebührenvorteile oder Service-Upgrades und damit nutzenorientierte Maßnahmen.
Alle Programme sollten so gestaltet sein, dass eine unkomplizierte Teilnahme möglich ist mit klarer Kommunikation und hoher Transparenz. Downgrade-Optionen können sinnvoll sein, um einen Komplettabgang zu verhindern.
Zahlungen und Abrechnung optimieren
Flexible Abrechnungen mit anpassbaren Zyklen, eine robuste Wiederholungslogik und PSD2-/SCA-konforme wiederkehrende Kartenzahlungen senken das Abwanderungsrisiko, weil Zahlungsabbrüche und unnötige Authentifizierungsfriktion reduziert werden.
Im EU-Rahmen ist SCA typischerweise beim erstmaligen Einrichten/Initiieren einer wiederkehrenden Zahlungsserie relevant; für Folgetransaktionen können Ausnahmen greifen (z. B. bei gleichbleibendem Betrag und gleichem Zahlungsempfänger).
Merchant-initiated transactions (MIT) liegen grundsätzlich außerhalb der SCA-Pflicht, müssen jedoch korrekt gekennzeichnet und durch ein Kundenmandat gedeckt sein; zudem können Issuer bei Risikoindikatoren trotzdem zusätzliche Prüfungen anstoßen.
Feedback einholen und darauf reagieren
Ein strukturiertes Kundenfeedback liefern zum Beispiel CSAT-/NPS-Umfragen und Kündigerbefragungen.
Bei CSAT (Customer Satisfaction Score) und NPS (Net Promoter Score) handelt es sich um zwei standardisierte Umfrageformate, mit denen Kundenzufriedenheit und Loyalität messbar gemacht werden. Im Idealfall werden die hieraus gewonnenen Erkenntnisse in eine Feedback-Schleife überführt, um stetige Verbesserungen erreichen zu können.
Fortgeschrittenes Churn-Management und Prognosen
Ein fortgeschrittenes Churn-Management nutzt die KI-getriebenen Möglichkeiten der Predictive Analytics, um ein steigendes Risiko für die Kundenabwanderung möglichst frühzeitig erkennen zu können. Damit lassen sich Maßnahmen einleiten, noch bevor eine höhere Churn Rate messbar wird.
Die Vorhersagen basieren auf historischen Mustern und aktuellen Signalen und greifen auf Echtzeitdaten aus der Kundeninteraktion zurück. Ein sinkender Nutzen oder wiederholte Supportkontakte können hier zum Beispiel als Frühindikatoren dienen. Doch auch Zahlungsereignisse sind relevant, wie etwa fehlgeschlagene Abbuchungen oder wiederkehrende Zahlungsausfälle.
Statt breite Kampagnen mit Streuverlusten zu fahren, lassen sich dank Predictive Analytics gezielte Maßnahmen priorisieren. Im EU-Rahmen ist es wichtig, die Datennutzung DSGVO-konform umzusetzen. So muss etwa eine klare Zweckbindung vorliegen und Daten müssen minimiert werden.
Churn-Daten zur Stärkung der Unternehmensstrategie nutzen
Umsatz- und Cashflow-Forecasts lassen sich durch Churn-Daten präzisieren. So können hier Informationen bezüglich der zu erwartenden Abgänge einfließen und deren Auswirkungen auf die Umsätze.
Eine sinkende Kundenabwanderung ist vorteilhaft, weil damit der Customer Lifetime Value steigt und Einnahmen stabiler werden. Es lässt sich auch erkennen, ob Wertverluste zum Beispiel eher durch Kündigungen oder Downgrades entstehen.
Für die Kundenakquise, die Budgetplanung im Marketing oder Kundenerfolgs-Maßnahmen sind die Erkenntnisse aus den Churn-Daten ebenfalls von Bedeutung. Damit lässt sich die Unternehmensstrategie insgesamt stärken.
Fazit
Die Churn Rate ist als KPI geschäftlich entscheidend, weil sie die Kundenbindung sowie die Planbarkeit wiederkehrender Einnahmen widerspiegelt. Die Abwanderungsrate beeinflusst damit die Rentabilität, Vorhersagen und das Wachstum.
Ein starker Kundenservice, ein hohes Maß an Vertrauen und funktionierende Zahlungs- und Abrechnungsprozesse führen am zuverlässigsten zu einer sinkenden Kundenabwanderung.
Deutsche KMU sollten eine kontinuierliche Überwachung ihrer Churn Rate vornehmen und in ihrem KPI-Dashboard fest integrieren. Idealerweise sollten dann noch KPIs für die Umsatzabwanderung, ARPU und Kundenfeedback-basierte Frühindikatoren hinzukommen.
Letztlich führt eine niedrigere Kundenabwanderung zu einer höheren Kundenloyalität und Profitabilität sowie zu einem nachhaltigeren Wachstum.
Häufige Fragen
Was bedeutet Kundenabwanderung?
Kundenabwanderung (Churn Rate) bezeichnet den Verlust aktiver Kunden in einem bestimmten Zeitraum wie etwa einem Monat oder einem Jahr. Dieser Verlust kann durch Kündigungen oder die Nichtverlängerung von Verträgen entstehen. Unternehmen können anhand dieser KPI erkennen, wie schnell sie Kunden verlieren.
Was sagt die Churn-Rate aus?
Anhand der Churn Rate lassen sich wichtige Aussagen zur Kundenbindung und Profitabilität treffen. Erreicht ein Unternehmen eine hohe Kundenabwanderungsrate, kann das zum Beispiel auf eine hohe Unzufriedenheit hindeuten. Eine niedrige Rate deutet hingegen auf eine hohe Kundenbindung hin.
Wie berechne ich die Churn-Rate?
Für die Berechnung der Abwanderungsrate wird die Anzahl der verlorenen Kunden durch den Kundenbestand zu Periodenbeginn geteilt und mit 100 multipliziert. Zur weiteren Differenzierung ist auch eine Berechnung des Umsatz-Churns möglich.
Was ist das Gegenteil der Churn Rate?
Als Gegenstück zur Churn Rate wird häufig die Retention (Bindungsquote) verstanden, also der Anteil der Kunden, die in einem definierten Zeitraum aktiv bleiben. Retention und Churn sind jedoch nur dann strikt komplementär (Retention = 100 % − Churn), wenn beide Kennzahlen auf derselben Kundenbasis, für denselben Zeitraum und mit identischer Aktiv-Definition berechnet werden.
Warum wandern Kunden ab?
Die Kundenabwanderung kann viele Ursachen haben. Dazu gehören eine schlechte Servicequalität, ein fehlender Nutzen oder Probleme in der Preisstruktur. Auch Probleme mit den Zahlungen können schnell zu einer Erhöhung der Churn Rate führen.
Was ist Churn Prevention und wie kann man die Abwanderung von Kunden verhindern?
Unternehmen haben ein Interesse daran, die Abwanderungsrate nach Möglichkeit zu senken. Dazu können ein besseres Onboarding, eine höhere Servicequalität oder die Einführung von Treueprogrammen beitragen, ebenso wie stabilere Zahlungen und Abrechnungen.



